
"All Schools Should Be Art Schools!" - Bob and Roberta Smith
Dirk Agelek ist ein zeitgenössischer Stilllebenmaler aus dem Schwarzwald. In seinen Bildern beschäftigt er sich mit alltäglichen Gegenständen: Kannen, Flaschen, Obst oder gelegentlich einem Fisch. Dabei spielen Licht und Schatten eine wichtige Rolle, ebenso wie die Anordnung der Dinge und die Beziehungen, die zwischen ihnen entstehen.
Er malt überwiegend in Öl und orientiert sich an der Tradition der realistischen Malerei. Dabei geht es ihm nicht darum, jeden Gegenstand möglichst detailgetreu abzubilden. Ihn interessiert vor allem, wie sich Form, Farbe und Licht mit malerischen Mitteln darstellen lassen.
Seine Bilder entstehen überwiegend alla prima, also nass in nass. Bei dieser direkten Malweise bleiben die Pinselstriche sichtbar, und nicht jedes Detail wird ausgearbeitet. Manches wird nur angedeutet, anderes mit wenigen gezielten Strichen hervorgehoben.
Zu vielen seiner Bilder schreibt er kurze Texte. Mal sind es kleine Geschichten, mal eher Gedanken oder Beobachtungen, oft mit einer Portion Humor. Die Texte sollen die Bilder nicht erklären, sondern ihnen etwas hinzufügen. Manchmal haben sie mit dem Motiv zu tun, manchmal führen sie auch ganz woanders hin.
Ausbildung
Dirk Agelek studierte Kunst und Grafikdesign bei Dieter Becker Salentin an der Kunstschule Bilder-Bühne in Gaggenau sowie Marketingkommunikation an der Hochschule in Pforzheim.
Ein kurzes Gespräch
Q: Wer inspiriert dich?
A: Vor allem Maler wie Richard Schmid und David Leffel. Ich finde es beeindruckend, wie sie mit Licht umgehen und wie viel sie mit wenigen Pinselstrichen erreichen. Auch Andrew Wyeth, John Singer Sargent und Caravaggio gehören zu meinen Vorbildern, obwohl sie natürlich ganz unterschiedlich gearbeitet haben. Und dann ist da noch Nick Cave. Der macht zwar keine Stillleben, aber ich mag seine Art, mit Kunst umzugehen und verschiedene Ausdrucksformen miteinander zu verbinden.
Q: Warum malst du?
A: Weil es mir unglaublich viel Freude macht. Ich kann mich mit einem Bild beschäftigen und dabei alles andere vergessen. Gleichzeitig ist Malen für mich eine Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Schiller hat geschrieben: „Im Spiel ist der Mensch ganz Mensch.“ Ich glaube, Malen ist mein Spiel.
Q: Warum Stillleben?
A: Mich interessiert, was man aus ganz gewöhnlichen Gegenständen machen kann. Bei einem Stillleben kann ich alles selbst bestimmen: die Objekte, ihre Anordnung, das Licht, die Farben. Schon kleine Veränderungen können dazu führen, dass ein Bild völlig anders wirkt. Und ich mag die Herausforderung, aus etwas scheinbar Unspektakulärem ein interessantes Bild zu machen.
Q: Magst du abstrakte Kunst?
A: Ja, durchaus. Ich muss nicht immer erkennen können, was auf einem Bild dargestellt ist. Aber ich möchte das Gefühl haben, dass sich jemand etwas dabei gedacht hat. Das gilt übrigens genauso für gegenständliche Malerei. Beuys hat gesagt: „Jeder Mensch ist ein Künstler“, aber auch: „Wer nicht denken will, fliegt raus.“ Mit beiden Aussagen kann ich etwas anfangen.
Q: Ist Zeichnen für dich wichtig?
A: Ja, sehr. Zeichnen ist für mich eine der besten Möglichkeiten, genaues Hinsehen zu üben. Ich zeichne auch gerne unterwegs. Und beim Malen merke ich immer wieder, wie wichtig die erste Anlage des Bildes ist. Deshalb nehme ich mir für das sogenannte Block-In oft ziemlich viel Zeit. Wenn da etwas nicht stimmt, wird es später schwierig, das wieder geradezubiegen.
Q: Dein Credo?
A: Sanft mit dem Pinsel. Hart zu mir selbst.
Q: Warum beginnt dein Künstlerporträt mit einem Zitat über Kunstschulen?
A: Ich glaube, dass Kunst und Kreativität in der Schule viel mehr Platz haben sollten. Es geht dabei nicht darum, dass alle Kinder später Künstler werden. Sondern darum, dass sie lernen, eigene Ideen zu entwickeln, Dinge auszuprobieren und auch mal andere Wege zu gehen. Ich engagiere mich seit acht Jahren ehrenamtlich im Vorstand des Trägervereins einer freien Schule und dreier Waldorfkindergärten. Und ich bin tatsächlich überzeugt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle Schulen Kunstschulen wären.
